Das erste Mal in der Welle
Als wir an einem Donnerstag Abend nach der Werkstatt noch in der Küche zusammensaßen, piepte das Handy: „Die Welle steht am Wochenende!“ Wir hatten schon öfters mit dem Gedanken gespielt, das Welle fliegen einmal auszuprobieren. Jetzt war es soweit! Also überredeten wir unseren Vorstand und den technischen Leiter, uns den Twin Astir, unseren Doppelsitzer, auszuleihen. Noch schnell mit der Versicherung gesprochen, das Flugbuch, den Lötkolben und die dicke Winterjacke eingepackt, konnte es los gehen.
Kurz für diejenigen, die zum ersten Mal vom Welle fliegen hören:
Das ganze beruht darauf, dass recht starker Wind senkrecht auf eine Bergkette bläst, wo die Luft dann zum Aufsteigen gezwungen wird. Nachdem die Luftmasse über den Gipfel geklettert ist, sinkt sie auf der windabgewandten Seite der Berge, der Leeseite, wieder ab. Die darüber liegenden Luftschichten werden dann zum Schwingen angeregt und es entstehen die Wellen. Wenn man die Seite der Leewelle, auf der die Luft aufsteigt, entlang fliegt wird man ganz sachte und ruhig mit der Luft hinaufgetragen und kann in große Höhen aufsteigen. Unter den Wellen entstehen Verwirbelungen, die Rotoren, in denen es sich ganz schön ruppig fliegt. Wenn die Luft genug Feuchtigkeit enthält, kann man die Wellen und Rotoren an den Wolken erkennen: Unten bei den Rotoren bilden sich Haufenwolken, der obere Teil der Welle wird als Wolke in Linsenform sichtbar.
Unser Ziel Jesenik liegt östlich vom Riesengebirge, im Altvatergebirge an der tschechisch-polnischen Grenze. Dort herrschen optimale Bedingungen, wenn der Wind aus Südwesten weht und mit der Höhe stärker wird. Der Flugplatz ist etwa 8 km nordöstlich von der Bergkette entfernt und liegt im Bereich des dritten Rotors.
Zurück zu uns: Seb, Florian und ich, Ulrike, alle frische Lizenzinhaber und heiß aufs Fliegen.
Vom Flugplatz in Schwarzheide holten wir den Twin ab, sammelten den Fliegerkram zusammen und durften uns von den Schwarzheider Fliegerkollegen zwei Fallschirme ausborgen.
Und schon saßen wir voller Vorfreude im Auto nach Tschechien. Vor uns lagen 400 km Autofahrt mit Hänger. Zum Abendessen gab es Chips, Nüsse und Kekse; Freitag Nacht um 3 kamen wir endlich an und fielen müde ins Bett.
Samstag morgen wurden wir vom Lärm der Schleppmaschine geweckt; also aufstehen, frühstücken und Twin aufrüsten, was wir tatsächlich zu dritt schafften. Vlasta war eine sehr nette Fluglehrerin am Platz, erklärte uns alles und wollte mit Seb und mir einen Checkflug machen, Florian hatte seinen schon im letzten Jahr gemacht. Also ging es los mit Seb und Vlasta. F-Schlepp mit einem Trainer durch die drei Rotoren zur ersten Welle. An dem Tag war es trocken und leider konnte man keine (Wellen-)Wolken sehen, dafür war der Blick um so schöner. Die beiden stiegen hoch bis auf 3700 m und flogen eine Strecke von 120 km. Breit grinsend kamen die beiden zurück und Vlasta meinte, Sebs Fliegen hätte ihr gut gefallen und da wir sowieso wenig Zeit hätten, sollte Seb gleich mit mir den Checklfug machen. Also ließen wir beide uns in die Welle schleppen. Schon der F-Schlepp durch die Rotoren bei dem starken Wind war anstrengend für uns Flachlandflieger. Wir flogen an genau die gleiche Stelle wie zuvor und waren zuversichtlich die Welle zu finden. Doch das Steigen war einfach nicht zu finden. Wahrscheinlich hatten wir etwas zu tief ausgekuppelt. Im ersten Rotor fanden wir ordentlich starkes Steigen, genauso schnell ging es jedoch auch nach unten. Das war anstrengend, ich hatte ordentlich zu tun, den Knüppel zu bewegen und es hat uns ganz schön durchgeschüttelt. So richtig Höhe gewinnen konnte man damit aber nicht. Schließlich probierten wir es noch in der zweiten Welle und am Hang gegenüber. Wir konnten uns zwei Stunden halten, aber gewannen keine Höhe. Da die Höhe nicht reichte um zum Flugplatz zurück zu fliegen, landeten wir auf einem Feld direkt an der Gebirgskette, das für solche Situationen vorgesehen ist. Das war sicherer als ein riskanter Rückflug über den Berg durch die Rotoren. Was für ein Abenteuer, den Twin beim ersten Flug im Gebirge gleich außenzulanden! Aber es lief alles gut und ich landete den Flieger sicher auf dem Acker. Es kamen einige Leute,die alle unglaublich freundlich zu uns waren und beim Abrüsten halfen. Florian holte uns mit dem Hänger ab und am Abend kamen wir erschöpft nach hause.
Am Sonntag dann wollten wir weitere Versuche starten. An dem Tag war allerdings extrem starker Wind. Obendrein war ein Segelflieger in der Stadt in ein Dach gestürzt. Deshalb wurde der Flugbetrieb an dem Tag abgebrochen, ohne dass wir in der Luft waren. Traurig darüber, aber trotzdem zufrieden machten wir uns auf den Heimweg nach Dresden. Nur der arme Florian war kein einziges mal in die Luft gekommen.
Trotzdem die Ergebnisse nicht atemberaubend sind, war das Wochenende eine wertvolle Erfahrung für uns. Das erste Mal im Gebirge fliegen, ein neuer Platz im Ausland, eine Welle kennenlernen, der Schlepp und Flug in turbulenter Luft und dann noch die Außenlandung... Es hat einfach Spaß gemacht und wir haben eine Menge gelernt.
Wenn die nächste Welle steht werden wir uns wohl wieder auf den Weg nach Jesenik machen. Vielleicht können wir uns bis dahin Sauerstoff besorgen, dass wir in größere Höhen aufsteigen können. Außerdem wäre ein PDA eine sinnvolle Anschaffung.
Ulrike Egerer
Wellenflüge im Sommerschulungslager
Das diesjährige Sommerfluglager verbrachte die Akaflieg vom 28. August bis zum 7. September in Jesenik in tschechischen Altvatergebirge. Wir wählten diesen einsamen Flugplatz, da er beste Voraussetzungen für die Schulung bot und die Umgebung sehr abwechslungsreich und auch für Streckenpiloten sehr spannend schien. An der Grenze zu Polen und hinter den Bergen ist dieser Flugplatz einer der abgelegensten Tschechiens. Dadurch hatten wir fast die alleinige Lufthoheit und mussten auch auf keine Lufträume in der Umgebung achten. Normalerweise verfällt der Flugplatz Mikulovice bei Jesenik im Sommer in eine Art Winterschlaf und erwacht erst ab November zum Leben, wenn die Wellensaison beginnt.
Thermisch waren Streckenflüge nur in den ersten Tagen möglich, danach schien die Leewirkung der Berge die Thermik im Platzbereich zu erdrücken, während im Flachland Polens die Kumulanten standen. Dafür wuchsen mit den herannahenden Fronten die Hoffungen auf Wellenflug. Wir starteten einige F-Schlepps und konnten uns teilweise etwas halten. Größere Höhen erreichten wir jedoch nicht.
Als der Tag der Abreise immer näher kam, wurden die Ortsansässigen immer nervöser und postulierten für Mittwoch, dem Tag unserer Abreise, am morgen ein kurzes „Fenster“ für Wellenflüge. Windgeschwindigkeiten aus Süd-West mit über 60km/h in der Höhe sagte der Wetterbericht voraus. Die herannahenden Ausläufer eines Tiefs dämpften jedoch unsere Euphorie. Hoffungsvoll schoben wir jedoch die Flieger am Dienstag noch mal in die Halle statt in den Hänger und stellten den Wecker am nächsten Tag entsprechend etwas früher.
Der frühe Blick in den Himmel zeigte uns ein beeindruckendes Bild mehrerer Lentis, die jedoch nicht sehr stationär schienen. Der erste F-Schlepp ging mit Ulrike zur Welleneinweisung im Twin um 9:30 lokal raus und meldete nach dem Ausklinken konstantes Steigen von 2m/s. Ich folgte mit dem Jantar und wurde ebenfalls in 2m/s direkt vor der sich langsam bildenden Rotorbewölkung geschleppt. Die Rotorbewölkung erstreckte sich über eine Strecke von mehr als 20km und über die gesamte Länge fand ich auch Steigen von 1-2m/s. In nördlicher Richtung versperrte mir eine Lenti auf 4000m Höhe den Weg. Ich wendete und stieg noch weiter auf etwa 4600m NN. Dort oben bot sich mir eine gigantische Kulisse aus unterschiedlich geschichteten Lenticulares und der turbulenten Bewölkung im unteren Bereich. Da die Rotorbewölkung immer weiter abdeckte und die luvseitige Staubewölkung immer stärker wurde, begann ich die Höhe ab zu fliegen. Da ich in solch einer Höhe und mit der aufkommenden Bewölkung die Grenze zum nächsten Luftraum nicht genau mit Bodenmerkmalen bestimmen konnte, wendete ich südlich rechtzeitig. Während der gesamten Strecke stieg die Luft mit 1-2m/s. Nördlich versperrte mir in der geringeren Höhe nicht mehr die Lenti den Weg, so dass ich das Gebiet noch etwas weiter ausfliegen konnte. Auf dem Rückweg nährte ich mich dann mit leicht gezogenen Klappen weiter dem immer kleiner werdenden freien Streifen zwischen Rotor und Staubewölkung. Während dessen bekam Frank Lemke ebenfalls eine Einweisung auf dem Twin. Von ihm hörte ich das er gerade unter die Wolkendecke abgestiegen war und tat es ihm gleich.
Sebastian Sandner







